Samstag, 27. Februar 2016

"dem Horizont so nah" von Jessica Koch





Das Buch ist ab 14.3.2016 im Handel erhältlich. 

Inhalt: Wie viel zählt ein flüchtiges Versprechen? Wie viel Zeit muss vergehen, bis der Schmerz nachlässt? 
Wie viel muss passieren, bis du den Glauben an die Menschheit verlierst? 
Jessica ist jung, liebt das unkomplizierte Leben und hat Aussichten auf eine vielversprechende Zukunft. Als sie eines Abends das Haus verlässt, ahnt sie nicht, dass sie ihrer großen Liebe begegnen wird. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung ihr gesamtes Weltbild verändert. Und vor allem ahnt sie nicht, dass sie schon bald vor der schwerwiegendsten Entscheidung ihres Lebens stehen wird. 
Die Autorin erzählt von einem Leben zwischen Optimismus, Hoffnung und Angst. Offen, ehrlich und mit Weitsicht erzählt sie eine tiefsinnige Geschichte und bringt dabei mehr als nur ein Tabuthema zur Sprache


Leseprobe:

„Du hättest es mir sagen müssen!“ Ich schrie ihn immer noch an. „Das weiß ich selbst.“ 
Wie oft hatte er im Verlauf dieses Abends schon geseufzt? Vorsichtig legte er seinen Arm um mich. 
„Darf ich?“ Er fragte sogar. Schütteln hätte ich ihn müssen wegen dieser Frage, und mich erst recht an ihn kuscheln, aber ich merkte, wie ich mich unter dem Gewicht seines Armes versteifte. Zum ersten Mal fühlte ich mich unwohl in seiner Nähe, wollte raus aus seinem Bett, weg von ihm. 
Danny spürte mein Unbehagen sofort und zog seinen Arm zurück. 
„Du kannst gehen, wenn du willst.“ Er sprach ruhig und gefasst. 
Jede Faser meines Körpers war angespannt, bereit zur Flucht. Ich fühlte mich wie eine zurückgezogene Sprungfeder. 
Lauf, riet mir meine innere Stimme. Mein körpereigenes Warnsystem schrillte und blinkte in allen Farben. Hektisch sah ich mich im Raum um und wog meine Chancen zur Flucht ab. 
„Du kannst gehen“, wiederholte Danny. „Es ist okay.“ Das war mein Signal. Ein besseres Stichwort würde ich nicht bekommen. Viel zu schnell sprang ich auf und hastete in den Flur. Danny folgte mir und blieb mit verschränkten Armen in einiger Entfernung stehen. Seine Miene war ausdruckslos, verriet nichts darüber, was in seinem Inneren vorging. 
„Es ist in Ordnung, wenn du gehst. Aber du darfst keine Angst haben. Wirklich nicht.“ 
Entsetzt stellte ich fest, dass meine Hände wie Espenlaub zitterten, als ich in meine Turnschuhe schlüpfte und meine Handtasche vom Haken nahm. 
Für eine Sekunde blieb ich stehen und sah ihn noch mal an. Ich wollte irgendetwas sagen, aber mir fiel nichts Passendes ein. 
„Du kannst deine Sachen am Montag holen, wenn ich im Trainingscenter bin, dann musst du mir nicht begegnen“, sagte Danny leise und machte eine Bewegung auf mich zu. Er streckte eine Hand aus, und unwillkürlich zuckte ich heftig zusammen. Er lachte leise, ein freudloses Lachen. Ich begriff, dass er nur hinter mir nach der Türklinke gegriffen hatte, und plötzlich war mir mein Verhalten peinlich. 
Danny öffnete für mich die Wohnungstür. „Soll ich dich nach Hause bringen? Du bist so durch den Wind. Ich kann dir morgen früh zusammen mit Simon deinen Wagen vor die Tür stellen.“ 
Ohne ihm eine Antwort zu geben, schlüpfte ich an ihm vorbei, sorgsam darauf bedacht, ihn nicht zu berühren, rannte aus der Wohnung, den kurzen, gefliesten Gang entlang, und stürmte schließlich aus dem Haus. Noch im Rennen öffnete ich mit der Zentralverriegelung mein Auto und ließ mich keuchend auf den Fahrersitz fallen. Erst beim dritten Versuch gelang es mir, das Auto zu starten. Mit quietschenden Reifen, was mir nie gelungen wäre, wenn ich es beabsichtigt hätte, fuhr ich aus der Parklücke. Meine Hände waren so nass vom Schweiß, dass sie am Lenkrad abrutschten. Das Radio auf volle Lautstärke gedreht, beide Seitenscheiben weit geöffnet, manövrierte ich den Mercedes auf die Landstraße. Ich ärgerte mich wahnsinnig über den Gegenverkehr, der mir andauernd Lichthupe gab, bis ich bemerkte, dass ich ohne Licht fuhr. Mein Handy piepste. Während der Fahrt zog ich es aus meiner Handtasche und las die Nachricht: 

Schreibe mir bitte ganz kurz eine SMS, wenn du zu Hause bist. 
Möchte nur wissen, dass du heil heimgekommen bist. 
Mache mir Sorgen. Danke. 

Ich fing hysterisch an zu lachen. Der Typ hatte vielleicht Nerven. Am liebsten hätte ich mein Handy samt Nachricht aus dem Fenster geworfen. 
Im letzten Moment riss ich das Steuer herum und konnte gerade noch verhindern, dass ich von der Straße abkam. 
Verdammt. Vielleicht sollte ich so wirklich nicht Auto fahren. 
Ich steuerte den nächsten Rasthof an, ließ den Wagen quer über zwei Parkplätzen stehen und stürmte aus dem Auto. Ziellos rannte ich in die Dunkelheit. Mein Kopf drohte zu explodieren aufgrund der ganzen Informationen, die zu verarbeiten ich nicht in der Lage war. Danny hatte mir so viel erzählt in dieser Nacht, so viel von sich preisgegeben, was ihm nicht leichtgefallen war, und ich ließ ihn einfach allein. 
Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich rennen konnte, so schnell ich es vermochte, dass ich mit dem Auto bis nach Alaska fahren oder mich im hintersten Winkel der Erde verstecken konnte. Dieser Alptraum würde mich immer einholen. Nicht heute, nicht morgen, aber irgendwann würde er mich kriegen. Ich blieb stehen und stützte meine Hände auf die Knie. 
Denk nach, Jessica, denk nach!



meine Meinung:

Vorab danke ich dem Feuerwerke-Verlag für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplares.

Ich wurde vor Erhalt des Buches bereits "gewarnt", dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt und dass es sehr emotional ist.
Ich habe nun das Buch in zwei Tagen ausgelesen. Was soll ich dazu sagen? Es fällt mir sehr schwer, hier die richtigen Worte zu finden, eben weil es eine wahre Geschichte ist, und ich hoffe, dass ich mit den nachfolgenden Worten vermitteln kann, was ich beim Lesen empfunden habe. Und es kann durchaus passieren, dass ich hier noch die eine oder andere Zeile hinzufüge, wenn mir noch etwas einfällt ;-)

Das ganze Buch ist in einem wirklich guten Schreibstil verfasst und man merkt auch, dass die Autorin hier eine wahre Begebenheit erzählt, man liest es in jeder Zeile, dass sie das selbst erlebt hat. Es ist schlimm, über Dannys Kindheit zu lesen in dem Bewusstsein, dass sowas wirklich passiert ist und überall auf der Welt sicherlich noch immer passiert. Dass er, egal, was er tut, diese Vergangenheit niemals abschütteln kann und sie ihn immer verfolgen wird. Dass er erst schaffen muss zu vertrauen, um wirklich lieben zu können, und dass es so viele Menschen gibt, die andere verurteilen, ohne etwas über sie zu wissen, warum sie so sind, wie sie sind. Mir standen nicht nur einmal die Tränen in den Augen - vor Zorn über die Ungerechtigkeit, aus Trauer über die passierten Dinge, aus Rührung, weil Danny und Jessica trotzdem ihre Liebe zueinander immer wieder neu beweisen, festigen und vertiefen. Und man liest in diesem Buch auch, wie sehr das alles auch Jessica beeinflusst, wie sie erwachsen wird, trotz allem jedoch den Mut und die Zuversicht nicht verliert, wie sie das auch Danny vermittelt und ihm eine Stütze ist. 

Ich möchte auch gar nichts über den Inhalt schreiben, was über den Klappentext hinausgeht. Für mich war es ein Buch, das mich emotional tief getroffen hat, das nachdenklich macht, das einem bewusst macht, dass man nicht immer in einer Schiene denken sollte, auf andere Menschen auch zugehen sollte, um sie kennen zu lernen. Und dass man das tut, das hat die Autorin sehr gut geschafft anzuregen. 

Vielen Dank für dieses Buch und Jessica - vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns teilst!


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