Dienstag, 26. April 2016

"Mein bester letzter Sommer" von Anne Freytag




Inhalt: Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Ich danke der Verlagsgruppe Randomhouse für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplares.


meine Meinung: 

Es fällt mir schwer, hier eine Rezension zu schreiben, das Buch ist sehr emotional.

Ich beginne mit dem Cover: Das gefällt mir supergut. Es ist sommerlich-leicht, und es fasst in einem Bild alles zusammen, was in dem Buch vorkommt, und es hat so viele kleine Einzelheiten, die einfach perfekt zur Geschichte passen.

Auf der Innenseite ist die gezeichnete Landkarte mit der Route, die Teskar (= Tessa/Oskar) genommen haben, auf der Rückseite ist die Playlist der im Laufe der Geschichte angesprochenen Lieder.

Vorab: Das Buch liest sich wie ein Erfahrungsbericht, nicht wie eine erfundene Geschichte. Und das liegt daran, dass die Autorin einen wunderbaren Schreibstil hat und man sich so sehr in Tessas Verhalten einfühlen kann. Sie weiß, dass sie bald sterben wird, und das lässt sie böse auf alle sein - auf ihre Eltern, ihre Schwester, mit der sie sich immer gut verstanden hatte, einfach auf die ganze Welt.

Bis sie Oskar trifft - er lockt sie aus ihrem Schneckenhaus, bringt sie dazu, nicht nur "laut zu denken", wie er es formuliert, sondern ihre Gedanken auch auszusprechen, auch wenn sie anfangs noch große Probleme damit hat. Die beiden verbindet von Anfang an ein starkes Band. Sie verstehen sich ohne Worte, und dieses Verstehen ist so toll beschrieben, dass man es richtig fühlen kann.

Mit seinem Vorschlag, mit ihr eine Reise zu machen, damit sie noch etwas erleben kann und sich vielleicht noch der eine oder andere Wunsch von ihr erfüllt, bringt er Tessa dazu loszulassen und das Leben, das ihr noch bleibt, in allen Zügen zu genießen.

Ich mochte beide Charaktere sehr gerne, auch wenn ich mit Tessa ein wenig länger brauchte. Sie war - klarerweise verständlich, aber trotzdem - eine junge Frau, die anfangs eher unsympathisch rüberkam, weil sie alle, die um sie herum sind, durch ihre schroffe Art verletzt und von sich stößt. Erst gegen Mitte des Buches, als sie ihre Reise startet, wurde sie mir dann sympathischer.

Oskar hingegen war von Anfang an einfach nur süß - ein gutaussehender junger Mann, der trotzdem große Reife beweist, der einfühlsam ist, und versucht, Tessa ihre letzte Reise noch schöner zu machen.

Gegen Ende der Geschichte, die bis dahin aus Tessas Sicht erzählt wird, gibt es auch Kapitel, die aus Oskars Sicht geschildert werden. Und die runden das Ganze für mich perfekt ab, weil sie nicht den Oskar zeigen, der er vor Tessa ist, sondern den Oskar, der er im tiefsten Inneren ist - ein Mann, der verliebt ist und Riesenangst hat, Tessa zu verlieren, der sich nicht sicher ist, wie er das alles schaffen soll, und der trotzdem davon überzeugt ist, für Tessa eine Zeit zu erschaffen, in der jeder Tag noch schöner als der vorige sein soll.

Dieses Buch ist so viel mehr als nur eine Liebesgeschichte. Es erzählt unverschönt aus dem Leben, wie beschissen es manchmal sein kann und sich nicht darum schert, was der Mensch will. Es erzählt aber auch von Vertrauen und Selbstvertrauen, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, an den man sich in seiner Schwäche anlehnen kann, und wie schön die erste Liebe trotz dunkler Wolken sein kann.

Ich habe ein paar Taschentücher gebraucht, aber trotz meiner Traurigkeit musste ich gleichzeitig auch lächeln. Die Autorin hat es geschafft, die gesamte Gefühlspalette - Wut, Trauer, Zorn, Vertrauen, Selbstvertrauen, Schuldgefühle und vor allem Liebe in ein Buch zu verpacken, und das macht es lesenswert und zu einer Geschichte, bei der man das Gefühl hat, die Personen persönlich zu kennen, und bei denen man weiß, dass man sie so schnell nicht mehr vergessen wird.

Dieses Buch ist jetzt schon eins meiner Lesehighlights 2016, und ich bin mir sicher, dass ich auch in Zukunft immer wieder durchblättern, querlesen und mich an eine wunderschöne Zeit mit Teskar erinnern werde.









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